05/04/2026 0 Kommentare
Zwischen Klage und Besinnung – Musik zur Sterbestunde Jesu
Zwischen Klage und Besinnung – Musik zur Sterbestunde Jesu
# Kirchenmusik

Zwischen Klage und Besinnung – Musik zur Sterbestunde Jesu
Zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag um 15 Uhr erklang ein Programm für Oboe und Orgel, ergänzt durch Lesungen, das sich als geschlossener Spannungsbogen durch das Passionsgeschehen bewegte.
Im Zentrum stand das fein austarierte Zusammenspiel von Stefanie Boch (Oboe) und Rebekka Follert (Orgel). Gleich zu Beginn nahm Karl-Peter Chillas „Seht hin, er ist allein im Garten“ eine zurückhaltende Grundstimmung auf. Diese setzte sich in Johann Sebastian Bachs „O Haupt voll Blut und Wunden“ (Bearbeitung: Carsten Klomp) fort, das bewusst schlicht gehalten war und gerade daraus seine Wirkung bezog.
Die Lesungen von Pfarrerin Silke Häger griffen die musikalischen Inhalte auf und führten sie weiter. Besonders die Verse aus dem 2. Korintherbrief eröffneten eine zusätzliche Deutungsebene und verbanden die einzelnen Abschnitte miteinander.
Einen Ruhepunkt bildete die Sinfonia aus der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ BWV 12 von Johann Sebastian Bach. Ausgehend von der gleichmäßigen Bewegung der Orgel entwickelte sich ein dichtes Zusammenspiel mit der Oboe. Auch im „Andante con moto“ aus der Sonate V von Felix Mendelssohn Bartholdy blieb diese ruhige, klar geführte Linie erhalten.
Die Texte „Golgatha und Spott“ sowie „Finsternis“ von Hans-Helmar Auel setzten innerhalb dieses Verlaufs eigene Akzente. Sie erweiterten die musikalische Perspektive um eine sprachliche Ebene, die das Thema des Leidens in anderer Form aufgriff.
Mit der Sonata in c von „Signor“ Bach wurde der musikalische Verlauf aufgelockert, ohne den Gesamtcharakter zu verändern. Auch das Werk von Johann Ludwig Krebs sowie der Text von Carola Moosbach fügten sich nahtlos in die Gesamtanlage ein.
Im weiteren Verlauf trat die Orgel mit Léon Boellmanns „Prière à Notre-Dame“ aus der „Suite Gothique“ stärker in den Vordergrund und schuf einen ruhigeren Abschnitt, bevor sich das Programm dem Abschluss näherte. Ein Text von Werner Milstein sowie Otto Ernst Goepfarts „Andante religioso“ griffen die zuvor angelegten Linien noch einmal auf und führten sie zusammen.
So entstand eine Aufführung, die ihre Kraft nicht aus Kontrasten, sondern aus innerer Geschlossenheit gewann – ein leises, aber eindringliches Ineinandergreifen von Musik und Wort.
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